Für Gefahren des Straßenalltags sensibilisieren

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Reisbach. Von der Reaktion bis zum vollständigen Stillstand fährt ein 50 km/h schnelles Auto noch fast 25 Meter. Eine lange Strecke, wenn man bedenkt, dass im Ernstfall Millimeter über ein Kinderleben entscheiden können: Was passieren kann, wenn ein Kind achtlos über die Straße läuft, lernten deshalb die Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen der Maximus-von-Imhof-Mittelschule am Mittwoch im interaktiven Verkehrsunterricht „Hallo Auto!”.


Die Buben und Mädchen können zwar theoretisches Wissen aufnehmen, praktische Schlüsse daraus zu ziehen in aller Regel nicht. Deshalb setzt der ADAC Stiftung bei „Hallo Auto!” auf „learning-by-doing” und schickte mit Arno Baller einen kompetenten Fachmann an die Schule. Am Beifahrersitz durften die Fünftklässler selbst eine Vollbremsung miterleben und erfuhren so buchstäblich, warum ein herannahendes Auto nicht sofort, sondern erst entscheidende Sekunden später anhalten kann. Bei Demonstrationsfahrten wurden die Teilnehmer für die Gefahren des Straßenverkehrs sensibilisiert. Dabei drehte sich alles um die lebensrettende Formel „Reaktionsweg + Bremsweg = Anhalteweg.”
Eine unkonventionelle Lehrmethode mit Spaßfaktor, die bei Schülern und Lehrern sehr gut ankam.

 

Unsere Kinder wachsen in einer mobilen Welt auf, in der das Auto ein wesentlicher Bestandteil ihres Alltags ist. Fast täglich sitzen sie darin und können dennoch die Risiken, die das Auto zwangsläufig mit sich birgt, nur unzureichend einschätzen. Getreu dem Spruch „Aus Erfahrung wird man klug” wirkt der ADAC Stiftung deshalb bewusst auf die individuelle Erlebniswelt der Kinder ein. Versuche haben gezeigt, dass sie die Richtung, aus der ein Geräusch kommt, nicht unbedingt bestimmen können. Weil sie klein sind, fehlt ihnen zudem häufig der Überblick. Am schwersten aber wiegt, dass Kinder das Tempo eines sich nähernden Fahrzeugs nicht abschätzen können. Sie glauben, dass ein Auto wie ein Fußgänger einfach stehen bleiben kann.
Zu Beginn von „Hallo Auto!” fingen die Schüler deshalb zunächst bei sich selbst an: Sie stoppten aus vollem Lauf und mussten erkennen, dass sie nicht sofort stehen bleiben konnten. Noch länger dauerte es, wenn sie auf ein Zeichen hin sofort anhalten sollten. Daraus wurde dann gemeinsam die Lehrformel „Reaktionsweg + Bremsweg = Anhalteweg” erarbeitet, die sich fortan wie ein roter Faden durch die weiteren Übungen zog.

 

Diese Regel wurde dann auf das Auto übertragen. Dazu stellten die Kinder nummerierte Pylonen an eine Stelle, an der sie das Anhalten eines sich nähernden Fahrzeuges erwarteten. Als Ergebnis ihres vorangegangenen Selbstversuches unterschätzten sie im ersten Anlauf den Anhalteweg gewaltig. Auf Nachfrage, was passiert wäre, wenn man an Stelle der Pylonen selbst auf der Straße geständen wäre, kam nicht selten die - leider treffende Antwort: „Dann wäre ich tot!” Ein zunächst für die Kinder vielleicht nicht leicht zu bewältigender Aha-Effekt, der sich aber auf Dauer einprägt. Beim zweiten Versuch, diesmal auf nasser Fahrbahn, trugen die Schüler ihre Kegel wesentlich weiter. Um ihnen auch die Sichtweise des Fahrers deutlich zu machen, durften sie sich danach angegurtet auf den Beifahrerplatz setzen und auf ein Flaggensignal hin mit einem Zweitpedal selbst bremsen. Ein eindrucksvolles Erlebnis mit der zusätzlichen Einsicht, dass Anschnallen im Auto eine wichtige Sicherung ist. Die Kinder waren mit Begeisterung und Disziplin bei der Sache.
Abschließend bekamen die Lehrer Material zur Nachbereitung für den Unterricht.

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Gemeinsam erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler die Formel für den Bremsweg.